Radio Benelux
Unterlagen

  Die Mitarbeiterversammlung am 12.09.1983 öffnete Dieter Hermans und seinem WMR-Team die Türen zu BNL Radio.
Ab diesem Datum war es offiziell, daß sich WMR bei  Radio Benelux einkaufte und so die aufgelaufenen Schulden abge-
tragen werden konnten. Die Gefahr, daß  Dieter Hermans als  quasi Financier  des Senders  dann auch die  Führungsrolle
für sich beanspruchen könnte, wurde damals offenbar  nicht gesehen. So  kam es  aber im Januar 1984. Hermans gelang
es, den  BNL-Gründer Helmut Peters  auszubooten und Radio Benelux zu übernehmen. Den Mitarbeitern, die  trotz aller Antipathie  gegenüber dieser  Art der "Machtübernahme" trotzdem  zum allergrößten  Teil bei  BNL Radio  blieben, kann
man, wie auch aus dem Protokoll ersichtlich wird, keinen Vorwurf machen, denn Helmut hatte - wohl im Bestreben, sein
Team  zu  noch  mehr  Einsatzbereitschaft  zu  motivieren - den  Eindruck  erweckt, daß ihn  BNL Radio finanziell über-
fordern würde. Hier ist der Wortlaut des Protokolls.
 

  BNL - Mitarbeiterversammlung  stattgefunden  am  12.7.1983  in Mönchengladbach-Rheydt, im Ratskeller.  

 

PROTOKOLL

Anwesend:

André Frédéric,  Chris Winter, Frank Kohls, Frank Reichwein,  Helmut Peters, Heribert Bender, Jörg Lennartz, Joachim
Neubauer,  Joe  Brückmann,  Marty Monroe,  Michael Marteau,  Mikel  Henry,  Nick Barker,  Patrick,  Robert,  Roland
Fischer, Stephan Kaiser, Thomas van Leeuwen

Beginn: ca. 20:00 Uhr - Ende: ca. 00:15 Uhr

Diskussionsleitung: Thomas und Helmut

Protokollführung: Chris

Zu Anfang erläuterte Heribert die finanzielle Situation des Senders im Zeitraum Mai 1981 bis September 1983:

Kasse: Einnahmen: Ausgaben: Verwendung:
Taschenkasse 255,- DM 254,- DM Miete, Antennenbau
T-Shirt-Kasse 1026,- DM 1026,- DM Stickers, Porto
5 DM-Mitgl. 2240,- DM 2240,- DM Miete, Comp., Ant.
Ehrenmitgl. 1650,- DM 1650,- DM s.o.
Stickers 1710,- DM 1710,- DM s.o.
Heribert, Helmut, Hittips 8982,- DM 4000,- DM Stromrechnung
Gesamter Betrag in DM: 15863,- DM 19863,- DM

* Anmerkung des Webmasters:
   Rechnerisch kommt das nicht so ganz hin; der Fehler ist im Original-Protokoll gemacht worden

Anschaffungs- und  Aufbaukosten  bleiben  hierbei unberücksichtigt. Die  Stromrechnung  wurde  als noch  nicht bezahlt
bezeichnet,  wodurch  der  Sender  mit 4000,- DM  verschuldet  sei. Daraufhin  wurden  unterschiedliche  Möglichkeiten
diskutiert, die  Schulden  zu  tilgen. Als einzige (sic) Alternative erschien eine  Sammlung unter den Anwesenden, da zum
beispielsweise der  Erlös durch den Verkauf von Stickers  etc. erst in einem halben Jahr zur Verfügung stehen würde, die
Schulden jedoch bis zum  30.9.83  bezahlt sein müssten, da sonst der  Sender von der  Hausbesitzerin  (Baraque Michel)
stillgelegt würde.

Der  Erfolg einer  Sammlung wurde jedoch stark  bezweifelt, da wohl nicht jeder in der  Lage wäre, ca. 250,- DM in den
nächsten zwei Wochen einzuzahlen.

Patrick und Helmut verkündeten daraufhin folgende Lösung: Die Stromkosten  werden von  Patrick getragen, als Gegen-
leistung gehöre ihm dann die Sende- und Studioanlage. Helmut hört bei BNL auf und geht zu Radio Bockreiter. Die Mit-
arbeiter könnten entweder mit  Helmut bei Bockreiter  weiterarbeiten oder bei BNL  (und damit bei Patrick) bleiben  und
müssten ohne ein Mitbestimmungsrecht einen Monatsbeitrag von 20 DM entrichten.

Die anschließende Diskussion brachte massive  Vorwürfe  gegen  Helmut, Thomas  und  Heribert  (dem "Management").
Ihnen wurde vorgeworfen, die Mitarbeiter viel zu spät über  die finanzielle  Situation  aufgeklärt zu  haben  und  nun  vor
vollendete  Tatsachen zu  stellen. Die  Allgemeinheit fand  sich mit  der von  Patrick offenbar  angestrebten Lösung nicht
einverstanden und suchte nach Wegen, die Schulden zu bezahlen. Es wurde festgestellt, daß ohne BNL-Sendungen auch
kein  Einkommen zu  erzielen sei, ein  Abschalten also  keine Besserung der  finanziellen Lage  durch  Mittelzuflüsse von
außen (Hörerbeiträge oder -spenden) ermögliche. Ein Verkauf  des 3. BNL-Senders  wurde erwogen, von Helmut jedoch
als unmöglich dargestellt, da er nicht betriebsbereit sei.

Als Rechtfertigung für die zu späte Information der Mitarbeiter brachte das Management die  Schwierigkeiten mit der ge-
planten Sendung  "Disco-Live" vor. Wenn der  entsprechende freie Mitarbeiter seine  Forderungen gegenüber den Disko-
theken  nicht so  hoch  geschraubt hätte,  weswegen diese  alle absprangen,  stünde BNL ein  Monatseinkommen von ca.
2000,- DM zur Verfügung, so daß die heikle Finanzlage hätte vermieden werden können.

Patrick stellte  im Verlauf der  Diskussion dar, daß er  keine andere  Lösung akzeptiere, als daß er durch die Begleichung
der Stromkosten alleiniger Besitzer des Senders würde. Die Allgemeinheit vermochte nicht einzusehen, warum bei dieser
Lösung Helmut den Sender  verlassen und zu Bockreiter gehen sollte. Man vertrat den Standpunkt, daß die Stromkosten
letztlich durch Alle verursacht wurden, und somit Helmut keine Alleinschuld treffe. Helmut verkündete daraufhin, daß er
freiwillig ginge und mit Bockreiter ein ähnlich großes Projekt wie BNL verwirklichen wollte.

Weiterhin  unterrichtete  Patrick die  Allgemeinheit  über  die Modalitäten  der Zusammenarbeit mit  ihm.  Beispielsweise
würden  Mitarbeiter, die  eine zweite  unentschuldigt fehlende  Sendung nicht einschickten, sofort ´rausgeschmissen. Der
Monatsbeitrag der Mitarbeiter betrage 20,-DM als Gegenleistung für  Stromverbrauch  und Miete. Dabei  entstünden den
Mitarbeitern keinerlei Mitspracherechte.

Die Allgemeinheit  diskutierte im  Folgenden, daß  es  auch  unter  Helmut  keinerlei  Mitbestimmung  gegeben habe. Am
Monatsbeitrag  wurde  bemängelt, daß  er  auf  jeden  zuteffe, unabhängig von sonstigem persönlichen Engagement  (wie
beispielsweise das Zusammenstellen der Band-Kopien).

Immer wieder kam das Thema der zu späten Information der Mitarbeiter auf Helmuts Vorwurf, man hätte sich da schon
vorher Gedanken machen müssen, wurde scharf zurückgewiesen, da aufgrund des Informationsmangels  keinerlei Anlass
bestanden  hätte, sich  Sorgen um  die finanzielle Zukunft des Senders zu machen. Fragen nach der finanziellen Situation
habe Helmut stets abgeblockt und keine Auskünfte erteilt.

Zur  Möglichkeit des  persönlichen Engagements  der Mitarbeiter wurde gesagt, daß es neben den regelmäßigen Produkt-
ionen  kaum  noch  Zeit gebe, Hittips zu verkaufen oder  Ehrenmitglieder zu werben. Sei dies dennoch gelungen, stünden
zur Zeit noch nicht einmal Mitgliedskarten zur Verfügung.

Schließlich  zeigte sich die  Allgemeinheit über die 20,- DM - Lösung teilweise unglücklich, da BNL dann eine Art Verein
darstelle, bei dem der  Einzelne zu einem zahlenden  Mitglied würde. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl  könne  nicht auf-
kommen, der Einzelne sei nur noch ein kleines Rädchen in einem von Patrick besessenen Getriebe.

Helmut beendete die Diskussion mit dem Hinweis, daß sich einzelne durchaus engagiert hätten, wenn es auch hierbei teil-
weise Anlaß zu  Kritik gegeben hätte. Er bedankte sich für dieses  Engagement und  kündigte eine Lösung an, die  bereits
verwirklicht sei. Die  vorangegangene  Diskussion  sollte ihm  lediglich zeigen, inwieweit  die einzelnen  Mitarbeiter bereit
seien, BNL mehr als bisher zu unterstützen.

Helmut  verkündete, daß 6  Stunden Dienstags - Programme verkauft- und eine Erweiterung des  Programmschemas auf
den Donnerstag  geplant seien. Dieser  Verkauf wäre bereits vor 14 Tagen realisiert, aber bis zu  diesem Treffen geheim-
gehalten worden, um die Meinungen der Mitarbeiter erfahren zu können.

Die  Stromrechnung (4000  DM  Schulden) sei vom  WMR - Team  bezahlt  worden, das  auch  die Dienstags - Stunden
gemietet habe. Die  Einführung von Mitgliedsbeiträgen komme nicht in Frage, da sie durch den unterschiedlichen Einsatz
Einzelner ungerecht ist. Helmut  ergänzte noch, daß es ab  Februar 1984 sogar möglich wäre, der Wochenend - Crew die
Fahrtkosten zu ersetzen.

Aufgrund des stark unterschiedlichen Engagement der Mitarbeiter verkündete Helmut folgende Verpflichtungen:

Jeder habe die Wahl zwischen folgenden Möglichkeiten:

  • einmalige Zahlung von 100,- DM (ab Feb. regelmäßiger Beitrag)
  • Werbung von drei Ehrenmitgliedern (und weiteren ab Februar)
  • Produktion von vier Stunden Sendezeit
  • Erstellen von Bandkopien
  • Verkauf von Hittips an Bands (nicht Plattenfirma)
  • Vermittlung von BNL-Veranstaltungen

Ausgenommen von dieser Regelung seien folgende Mitarbeiter mit nebenstehender Begründung

Chris Winter ---------- Vermittlung WMR; 3 Std.-Sendg.; Organisation

André Frédéric -------- 4 Std. Sendezeit, Bandkopien etc.

Tim Mix---------------- verkauft Hittips

Marty Monroe--------- 3 Std. Sendg.; Interviews; Spenden; Ehrenm.

Jörg Lennartz --------- Bandkopien

Nick Barker ----------- Bandkopien

Thomas v. Leeuwen - Organisation

Frank Kohls ----------- 4 Stunden Sendezeit

 

Es  würden  hierbei keine  Leistungen  berücksichtigt,  die von Einzelnen in der Vergangenheit erbracht wurden, vielmehr
würde  davon  ausgegangen, daß  die oben  angeführten  Mitarbeiter auch weiterhin die beschriebenen Aktivitäten durch-
führen oder aufnehmen würden.

Die Allgemeinheit akzeptierte diese Regelung  ohne größere Diskussion. Es wurde noch der Vorschlag eines regelmäßigen
Kassenberichts  gemacht, der  jedoch nicht ausdiskutiert wurde. Auch das  Ziel, zukünftig  einen Profit  anzustreben, um
damit Unkosten zu decken, wurde erwähnt.

Zum  Abschluß  der Versammlung  unterrichtete Helmut  die  Anwesenden, daß leider bis zum  1.12. die  Sendefrequenz
gewechselt werden muß, da ein niederländischer Sender in Hulsberg die aktuelle BNL-Senderfrequenz  belegen wird. Mit
einem zweiten Sender, der ebenso  wie eine zweite  Antenne noch installiert wird, soll  circa eine  Woche parallel auf der
alten und  der neuen Frequenz  gesendet werden, um den  Hörern den  Wechsel zu  ermöglichen. Weitere Informationen über die finanzielle Situation des Senders wird Helmut evtl. im Februar auf einer neuen Versammlung geben.

Als  neue  Regelung gilt ab  sofort, daß nach  zwei entschuldigt  fehlenden Sendungen  der entsprechende Mitarbeiter das
Team verlassen muß. Es wurde allen geraten, Ersatz-Sendungen zu produzieren und auf den üblichen  Wegen  weiterzu-
leiten, um solche Situationen zu vermeiden. Beim Stil der Sendungen ist zukünftig streng darauf zu achten, daß entweder eine mehr reißerische Moderation in Frage kommt, oder jedoch mindestens zwei Titel ohne Ansage und Jingles hinterein-
ander zu laufen haben (mit sachlicher Moderation; neues amerikanisches Erfolgsrezept).

Schließlich  wurde ein neues  Programmschema diskutiert. Am  Schluß dieses Protokolls  findet sich jetzt  dieses Schema
mit Stand vom  29.9.1983. Die  Versammlung endete mit dem Aufruf, daß es zukünftig  einen Plan geben müsse, der die
personelle Besetzung der Wochenend-Crew zu regeln ist. Jeder soll sich  Gedanken über seine persönliche Möglichkeiten
machen, den Sendebetrieb ca. alle sechs Wochen zu betreuen.

Klick HIER, um Dir die gekauften Dienstagsprogramme von WMR anzuhören (u.a. mit Dieter H.)